05.09.2010 UTC 10:16

Die Großwetterlage war als gut vorhergesagt, zwei Piper 28, 150 und 180 PS, eine Cessna 172 Rocket wurden betankt und mit acht Personen beladen und los ging´s am Donnerstag, 21. 5. um 10:00 h loc..
Die Routenplanung mit Wetter schien der Rocketbesatzung einen Direktflug nach Losinj zu ermöglichen. Die gute Gipfelhöhe der Maschine und die Endurance über 6 h würden die Alpen auf dem wettermässig günstigsten Weg zu überwinden helfen.

Die beiden Pipers trauten sich dies wegen der geringeren Reichweite und Steigfähigkeit nur mit Zwischenstopp in Eggenfelden  und Umweg über Graz zu.

Leider hatte die Dame von Langen Information schlecht geschlafen und die Rocket auf Grund unserer geringen Höhe mehrmals vergeblich angerufen. So kam die erbetene Freigabe über midfield Stuttgart nicht zustande.

Aber der kleine Knick bei Aalen konnte unser Fortkommen Richtung Achenpass in 7.500ft nicht aufhalten.
Einzelne Wolken mit Basis etwa 8.000 ft ließen nach Queren der Meldepunkte E 1 und L 1 von Innsbruck ein Steigen auf 9.500 ft zu, um die die Strecke  Zell am Ziller, Gerlospass, Zell am See zu passieren. Diese Höhe sollte ausreichen, um nach Lienz  voranzukommen , unter uns die Großglocknerstrasse, rechts von uns die Hohen Tauern in Wolken und der Großglockner mit einer Cumulushaube, darunter Heiligenblut .

Das Oberdrautal führt uns zum Einschnitt des Gailbergsattels, der Plöckenpass ist Meldepunkt; Wien Information gibt uns an Padua Information weiter.

Hier werden wir nach Ponte Fiume Fella, Gemona, Ronchi Legionari geleitet. VICKY point ist der Wechsel nach Pula Information fällig und auf der VFR Strecke Adria 3, an Portoroz vorbei geht es nach Losinj Island.

Trotz des dunstigen Wetters sind die Badeorte an Istriens Westküste gut zu sehen, zumal wir längst auf 5.500 ft abgestiegen sind. Losinj Tower leitet uns in den Gegenanflug zur 02, nach 3:50 h ist die Strecke geschafft !

Da wir die einzigen Reisenden sind, ist die Einreisekontrolle schnell hinter uns. Um in die Stadt zu kommen, werden wir auf einen Minibus vertröstet, der bald kommen soll. Ein zufällig aus dem Gelände herausfahrender Prüfingenieur, der die Funkeinrichtungen misst, nimmt uns  mit und zeigt uns das Hotel, in dem er untergebracht ist. Es liegt zwar idyllisch in der Cikat- Bucht und rundherum sind noch mehrere andere Hotels und ein riesiger Campingplatz, aber zur Stadt sind es 25 min. zu Fuß.
Die Hotelmanagerin hat nicht mehr ausreichend Zimmer, denn bis auf ein Ehepaar schlafen alle Mitflieger gerne einzeln. Aber ihre Tochter arbeitet in der Touristeninformation und nach einem Bier, zu dem sie uns einlädt, steht die Adresse fest : Hotel Tamaris, Veli Losinj.

Ein Taxi wird für uns bestellt. Unsere Mitflieger sind noch rechtzeitig vor dem Dienstschluss des Flugplatzes um 16:00 h gelandet und erfahren gleich das Quartier. Wir sind gut untergebracht, direkt am Hafen des idyllischen Städtchens.
 
Nach dem gemeinsamen Landing beer machen wir einen Rundgang. Mir scheint das Gasthaus Marina am Hafen das Vertrauen erweckendste zu sein. Darüber wird diskutiert, da einigen das Mozart gegenüber besser gefällt. Aber die lobende Erwähnung in meinem Reiseführer und die weissen Tischdecken geben den Ausschlag.
Und wir werden nicht enttäuscht ! Die Vorspeisen, der Pferdfisch und die Zahnbrasse sind ausgezeichnet. Nachdem wir uns den hauseigenen Malvasia verbeten haben und einen einheimischen, erstklassigen Sauvignon blanc bestellen, ist der Genuss vollkommen ! Satt und bettschwer gehen wir nach dem üblichen Absacker schlafen.

Früh bin ich zum Schwimmen mit Christian verabredet. Etwas knatschig sind wir schon. Die Jugendgruppe im Hotel gegenüber hat die halbe Nacht bei offenen Fenstern Zinnober gemacht. Aber das Bad in der herrlich frischen Adria macht uns fit. Die anderen treffen wir beim Frühstück, das mediterran nichts sagend ist.

Um 10:30 h soll Abmarsch sei, aber das vom Hotel gerufene Taxi kommt nicht. Erst nach 1 ¼ Stunde erreichen wir als letzte Rettung unseren gestrigen Taxifahrer. Der ist etwas vorwurfsvoll, er habe uns doch gesagt, er sei der einzig zuverlässige auf der Insel, denn hier wäre schon Balkan !

Am Flugplatz Losinj teilen wir uns die Aufgaben. Hans macht Flugplan und Zahlungen, Christian und ich Maschine und Gepäck. Preise :  Landung, Parken und handling 40 €, Sprit 1,53 € / l .
Um 10:47 h z sind wir in der Luft und folgen der Adria 1 Strecke in wechselnden Höhen, da die Contoller uns an den Einflugschneisen von Split und Dubrovnik am liebsten im Wasser hätten.
So kommen wir  über den dalmatinischen Urlaubsarchipel Hvar, Korcula; Mljet bei etwas diesigem Wetter gut voran.
 
MOKUN point ist der Wechsel nach Podgorica approach fällig, die uns kurz an Tivat approach übergeben.
Den einladenden riesigen Platz müssen wir uns diesmal versagen, da nicht zu klären war, ob es hier Avgas gibt. Später bestätigten uns die Tankwarte in Podgorica, daß ihre Gesellschaft auch dort den blauen Sprit  für 1,44 €/l  bereithält.
An hohen Bergen vorbei überqueren wir die tief eingeschnittene, fjordartige Bucht von Kotor über der Klosterinsel Sv. Dorde.
Am Meldepunkt Mike von Podgorica ermöglichen uns 3 Threesixties den Lovcen Nationalpark und den Skutarisee aus der Höhe zu überblicken.

Nach der Landung fragt uns der Ramp agent überrascht, ob wir denn angemeldet seien. Wir  verweisen auf unsere Flugpläne und erfahren erst jetzt, dass hier eine 36 h Anmeldepflicht an OPS besteht.
Für morgen bestellen wir Sprit und melden unseren Abflug für 14 h z an.
Wir erfahren per handy von dem Pech unserer Mitflieger in der AH, die wegen Elektroproblemen in Zadar eine Sicherheitslandung gemacht haben und mieten schon ein Auto, um in Budva Quartier für alle zu machen.
Für 24 h kostet der Renault Laguna 100 € plus Sprit. Ein GPS gibt ´s gratis.

Christian fährt uns über den Skutarisee und den Pastrovici Berg mit herrlicher Landschaft Richtung Petrovac und dann am Meer entlang an Sveti Stefan vorbei nach Budva.
In meinem Führer steht das Hotel Mogren direkt an der Altstadt mit österreichischem Konsulat und drei Sternen. Wir fragen nach den benötigten sieben Zimmern und erhalten sie für 55,50 € pro Einzelzimmer mit Frühstück.
Nach Landing beer und Frischmachen hören wir von der Landung unserer Nachzügler in Podgorica und nennen ihnen das Quartier.
Ein Stadtrundgang ist vor dem Essen Pflicht, auch wenn uns der Magen schon knurrt. Das Restaurant Jadran Kod Krsta in der Slovenska Obala 10 versorgt uns in seinem duftenden, luftigen Garten ausserhalb der doch etwas stickigen Altstadt mit allem, was uns schmeckt.
Zum Nachtrunk gehen wir wieder in die Altstadt, wo der Rest der Truppe nach später Ankunft noch beim Essen sitzt. Die Bars, Cafés und Restaurants sind alle gut besucht und wir lassen uns noch eine Weile treiben, bis wir müde die Betten aufsuchen.

Am nächsten Morgen um 8 h gehe ich zum Schwimmen an einen gepflegten Kiesstrand, der aber am Wasser aufhört, so dass es nur zwischen Steinen hineinführt. Aber an der benachbarten Stadtmauer gibt es eine Plattform mit Leiter, die mich in -fast- schwimmbare Tiefen entlässt.
Beim gemeinsamen Frühstück beraten wir die nächsten Ziele. Nach Kotor soll ´s gehen und von dort steil hinauf in den Lovcen Nationalpark, über Cetinje zurück nach Podgorica Airport.

Unser GPS verwirrt uns anfänglich, so dass wir die richtige Ausfahrt aus Budva verpassen. Aber dann klappt ´s doch und mit einem letzten Blick auf die Mogren Bucht verlassen wir die alte Stadt, die wir, wie üblich, am Morgen noch in Ruhe erkundet haben, um ihre Sehenswürdigkeiten, die Zitadelle, die Kirchen, die Stadtmauer ohne viele Leute genießen zu können.

Eine halbe Stunde Fahrt, ein kurzer Tunnel durch den quer stehenden Berg – wir sind in Kotor.
Am Hafen entlang gibt es eine riesige Parkfläche, in die wir bei offener Schranke beherzt einfahren. Der Parkwächter muss uns laut schreiend hinterher sprinten, um uns das Ticket zu geben.
Gegenüber geht es durch  Glavna Gradska Vrata in die Altstadt. Nach einem Erdbeben ist sie wieder schön aufgebaut, aber in den hinteren Gassen sieht man doch, wie viel Zerstörung es gegeben haben muss .
Wir widerstehen dem Drang, uns in eines der vielen Café-Restaurants zu setzen und nehmen nur eine Flasche Mineralwasser mit, denn auf uns wartet die Fahrt steil den Berg hinauf in den Lovcen Nationalpark. Natürlich lassen wir uns wieder vom GPS verwirren. Auf mein Nörgeln hin fragen wir eine alte Ziegenhirtin, die ihre Tiere vorbeitreibt, die gleich ihr stark böxeln, wo es nach Cetinje geht. Sie will sich vor Lachen fast ausschütten, fahren wir doch in die falsche Richtung ! Aber kein Weg ist umsonst und die Serpentinen den steilen Berg hinauf spendieren uns herrliche Blicke auf Kotor, die Bucht, den Tivat Airport, die Berge, wie wir sie sonst nur aus dem Flieger haben.
Die enge, schmale Straße ist nur langsam zu fahren, wenig Verkehr erleichtert das Vorankommen, so dass wir nach einer Stunde die Höhe von 1000 m erreicht haben. Hier weitet sich die hügelige Hochebene des Lovcen, wo es den berühmten Bergschinken geben soll. Aber meine geübte Nase verrät mir, dass die dazugehörigen Schweine woanders herkommen müssen.
Cetinje ist durchaus überschaubar, an den alten Botschaften der vormaligen Hauptstadt des Königreichs Montenegro ist man schnell vorbeigefahren, das Klima in 700 m Höhe ist im Sommer sicher sehr angenehm. Ob es hier nur in den frühen Nachmittagsstunden so ruhig ist ?

Ab Cetinje wird die Straße breiter und ist gut ausgebaut. Nach kurzer Fahrt geraten wir in eine Vollsperrung, die es nicht zu umfahren gibt. Die Unaufgeregtheit der anderen Reisenden und das Nachfragen an der Tête de queue beruhigen uns, in ¾ Stunden ginge es weiter. Der Aufenthalt bringt unsere zweite Mannschaft heran, die im Abstand gefolgt war, und der abgehaltene Kriegsrat ergibt, nachher nach Korfu zu fliegen und dort etwas auszuruhen.
Von unserer Reise des vergangenen Jahres habe ich die Telefonnummer des Kontokali Hotels  dabei und mein Anruf ergibt  eine Reservierung für heute Abend.
Als es dann nach einer Stunde tatsächlich weitergeht, sehen wir, wie an der Strecke gebaut wird. Mit großen Erdbewegungen wird  mit einem Durchstich durch die Hügelkette die Straße begradigt  und verbreitert.
Unsere Autovermieterin ruft an, wo wir denn bleiben. Wir sind wohl der letzte Wagen, der hereinkommt und sie will in den Feierabend. Wir versichern ihr, dass wir in 20 min. da sind.
Das Auto noch schnell vollgetankt (95 cts / l) für 14 €  und am Flugplatz  durch die Kontrolle geleitet, wechseln wir zu unseren anderen Verkehrsmitteln.
Mit Aufgabenteilung geht alles schneller. Bei der Gebühr für Landung, handling und Stellplatz lohnt das Handeln, 100 € für drei, sonst 100 US Dollar für einen ! Der Flugplan läuft, um 15:45 h z starten wir.
Die Berge in runway heading sind 1600 m hoch in 15 nm Entfernung. Über den Skutarisee steigt unsere vollbeladene Maschine tapfer und als ob unsere Steigrate mit der Bergeshöhe koordinert wäre, passieren wir östlich des Rumija Gipfels in 5000 ft  die Bergkette. Sogar die Öltemperatur können wir gerade noch im grünen Bereich halten. Mit knapp 180° gehen wir an Durres vorbei. Tirana Information lässt uns dct. auf Korfu zusteuern, Fier liegt unter uns, wir überholen die tief fliegende D-PM , wie immer im Geisterflug, da sie in 2500 ft fast keinen Funk haben kann. Wir steigen auf FL 75 und überqueren das Küstengebirge südlich Vlore.

In Kerkira Airport ist viel Verkehr, man lässt uns westlich der Insel 10 min kreisen, so können wir das im vergangenen Jahr besuchte Palaiokastritsa mit dem traumhaften Panagia Theotokou Kloster und die Festung Angelokastro im Abendlicht bewundern. Dann erfolgt ein kurzer Anflug auf die 34 mit langer Landung und endlich trauen wir uns, den Durst aus meiner Eisteeflasche zu stillen.
In Griechenland gilt osteuropäische Sommerzeit, es ist also schon 20:30 h loc. Ein Anruf im Hotel bestätigt unsere Ankunft. Ein Fiat Scudo für alle 8 ist schnell gemietet und eine Stunde nach der Landung checken wir im Hotel ein.
Leider ist das Terrassenrestaurant, das wir im vergangenen Jahr so ausgiebig freqentiert haben, heute schon geschlossen.
Nach einigem Suchen finden wir das von der Rezeption empfohlene Fischrestaurant in der Finsternis. In uriger Umgebung bei leckerer Küche und gutem Wein glätten sich die Wogen der Gemüter nach diesem anstrengenden und ereignisreichen Tag. Der Wirt setzt mit dem landestypischen Qumquatslikör noch einen drauf und das ist gut so, denn an der Hotelbar ist schon tote Hose !

Das Schwimmen am nächsten Morgen weckt die Geister, beim opulenten Frühstück werden schon wieder Pläne geschmiedet. Die vier Unentwegten wollen am Vormittag nach Korfu Stadt, das wir bisher nur von der Durchfahrt kannten. Heute, Sonntag früh zeigt sich die von ihren Festungsbauten beherrschte Stadt in ruhiger Feiertagslaune. Einen strategisch günstigen Parkplatz finden wir schnell und tauchen in das Gassengewirr der Altstadt ein. Die Alte Festung schlägt uns in den Bann, eine kleine archäologische Sammlung, ein Geschichtsmuseum und die Kirche Agios Giorgios geben einen Eindruck von den Jahrhunderten Kultur.
Der Anstieg auf die innere Festung haut uns den letzten Dampf aus der Kiste, aber der Blick ist selbst bei dem diesigen Wetter traumhaft. Die bewaldeten Hügel ringsrum, die schroffen Berge des Festlands, die geschwungene Küste machen uns neugierig auf weitere Ausflüge. Nach der Rückkehr ins Hotel rüsten wir uns nach einer Ruhepause  zu einer Rundfahrt in den Süden der Insel. Da einige das Achilleion noch nicht kennen, fahren wir zuerst zu dieser von Kaiserin Sissi und Wilhelm dem Dümmeren genutzten Villa mit Park in herrlicher Lage. Einen krassen Gegensatz sehen wir in dem Weiler Kato Spileo, wo die alten Bewohner sich selbst überlassen scheinen und unter kargen Bedingungen ihr Leben fristen. Über Chlomos geht es weiter durch Olivenhaine zu einem alten Kloster Moni Pantokratoras hinauf, von wo es einen Blick auf die andere Inselseite gibt. Die Sonne sinkt, Hunger und Durst treiben uns nach Korfu Stadt zurück. Das am Morgen ausgesuchte Venetian Well an der Platia Kremasti scheint uns zu nobel. Am Rathausplatz gibt es mehrere Lokale, von denen das Bokambilia den besten Eindruck macht. Jeder findet für seinen Geschmack das Richtige. Der vorzügliche griechische Wein begleitet das Essen, satt und müde streben wir heim.

Nach dem Frühstück ist Aufbruch zum Flugplatz. Wegen der pannenanfälligen Elektrik der D-AH verzichten wir auf weitere Abenteuer und machen uns nach Split auf. Da gibt es nur den Widerstand einiger vor Jahren da Gewesener zu brechen, die behaupten, die Flugplatzgebühren dort seien astronomisch. Wie wir nach einem reibungslosen Flug an der Küste entlang über Mljet, Korcula, Hvar, Brac feststellen, ist alles Legende. Die Preise scheinen in Kroatien einheitlich, 40 € für die Abfertigung und günstige 1,43 € / l Sprit. Trotz der Entfernung von ca. 30 km zur Stadt lassen wir uns mit Taxi in unser günstig am Rande der Altstadt gelegenes, etwas angejahrtes Hotel Bellevue bringen. Ein Mietwagen wäre billiger gewesen. Gleich nach dem Landungsbier geht es in die großartige Anlage des alten Diocletianspalast, in den die Altstadt hinein gebaut ist.
Bald plagt der Hunger und im Restaurant Spalatin findet jeder seinen Teller. Ein Spaziergang auf der breiten Promenade am Meer beendet mit dem obligaten Scheidebecher den Abend.
Die Nacht in den stickigen Zimmern bezahlen wir mit 80 € fast in Weltstadtniveau.

Mit der Suche nach der Abfertigung für General Aviation und dem Erledigen der Formalitäten beginnt der Ernst des Fliegens. Wegen der Sicherheitschecks können wir uns nicht getrennt den verschiedenen Aufgaben widmen, sondern müssen zusammen bleiben. Die Batterie der AH konnte über Nacht geladen werden und hätten die eifrigen Monteure das Ladegerät  dran gelassen,  wären wir vom abgeschlossenen Ladevorgang überzeugt gewesen. So musste die Besatzung hoffen, dass der unzuverlässig arbeitende Alternator genügend Leistung bringt .
Der offensichtlich gleich uns unter der stechenden Mittagssonne leidende Tower Lotse schickt uns endlich los, mitten in den Anflug einer Turboprop der Croatia Airlines. Erst sein  „ Stop immidiately“ bringt uns nach dem unkenntlichen Rollhalt zum Stehen. Da wir belehrbar und schuldbewusst sind, lässt er es bei einem Report bewenden.

In zwei Stunden sind wir an Rijeka vorbei ins Landesinnere Richtung Ljubljana. Die Adria 1, Adria 2 Strecke führt zum Grenzpunkt ALIVO von Slowenien, wo uns Ljubljana Information über Veliké Lasce zum S1 von LJLJ schickt. Die über dem Bergland doch dichteren Wolken lassen den Flugplatz erst spät erkennen, aber dann fragen wir uns, wo wir auf der 3.300 m langen Bahn aufsetzen sollen, um zur Parkposition zu kommen.
Ein hochmoderner GA-Terminal empfängt uns, eine Werkstatt kümmert sich um die wieder meckernde AH und der Monteur äußert die mittlerweile dritte Meinung der Reise über das zustande Kommen der Ausfälle der Elektrik.
Die Dame am Schalter ist uns bei Hotelsuche und Taxi behilflich und bald sind wir im Tourist City Hotel  am Rande der Altstadt,  90 € Einzelzimmer mit Frühstück, der neu eingeführte Euro lässt grüßen .
Ich hatte die ehemals k.u.k. Provinzstadt,  jetzige Hauptstadt der Republik Slovenien von vor 40 Jahren in guter Erinnerung. Der sozialistische Mief hat sich verzogen und die Restaurierung hat ihren Charme wieder entdeckt. 
An den Ufern der Ljubljanica sind unzählige Cafés, Bars und Restaurants, die den vom Besichtigen der Sehenswürdigkeiten müden Touristen aufnehmen. Wir sind am Stari Trk hängen geblieben und haben den Abendbummel durch Altstadtgassen und Kneipen der proppenvollen Stadt gemacht, die ihre schöne Architektur durch Illumination auch nachts zur Schau stellt.
Spät kehren wir heim, einige hören noch das aufziehende Gewitter, das dem warmen, klaren Abend ein Ende bereitet.

Am nächsten Morgen herrscht das erste schlechte Wetter der Reise. Es kübelt aus tief ziehenden Wolken. Da es aber bei solchem Wetter nur zwei Probleme gibt, schlechte Laune und schlechte Kleidung, machen wir uns nach Frühstück und Wettercheck auf die Socken, um das gestern etwas vernachlässigte Innere der wunderschönen Gebäude zu besichtigen.
Auf die vage Aussicht hin, mittags könnte es eine Aufhellung geben, reisen wir Richtung Flugplatz ab. Aber je näher wir Krain und den Bergen kommen, um so stärker nimmt der Regen zu. Ringsum ist alles in Wolken. So erledigen wir das, was wir tun können, verfolgen die Wetterentwicklung im Internet, telefonieren die Wetterfrösche ab, beratschlagen die Situation mit unseren Kameraden und einer Crew aus der Slowakei, die mit einer LET 410 eine Regierungsdelegation nach Hause bringen sollen, aber wegen Vereisung in der Höhe nicht nach Bratislava können. So gehen die Stunden herum, mittlerweile ist getankt, sind verschiedene Routen zur Überquerung der Alpen ins GPS eingespeichert, wieder und wieder das Vorankommen der Kaltfront von West-Südwest beobachtet, da landet eine Maschine, wie wir erfahren aus Triest, deren Besatzung uns sagt, über der Adria sei schönstes Wetter. Und wir sitzen hier im Dreck !
Die Kameraden von der PM und der AH wollen es für heute gut sein lassen. Sie haben Hunger und Durst und keine Lust mehr ! Sie suchen sich ein Landhotel in der Nähe und fahren zum gemütlichen Ausklang hin. Wir beschließen abzuwarten. Hat doch jede Kaltfront eine Rückseite, auf der es sich prima bei klarer Luft und steigendem Luftdruck über die Alpen sausen ließe. Allmählich zeigt sich zwischen den Bergen im Westen ein heller Streifen, die Delegation aus der Slowakei wird mit kleinem Bahnhof und allem, was eine Uniform tragen kann, verabschiedet, wobei der Satteltrunk für die Paxe nicht fehlen darf.  Die letzten Satellitenbilder lassen ein Umfliegen der riesigen Zyklone erhoffen und mit 6 h Endurance müsste doch irgendwo eine Querung der Alpen zu finden sein.

So starten wir um 17:50 h loc, nachdem wir in Mannheim EDFM angerufen haben, um eine Spätabfertigung anzumelden. Merke : auf Flugpläne ist kein Verlass!
Über den S 3 Punkt, an der Autobahn entlang schlüpfen wir zwischen Planina und Postojna  durch die Berge, umschiffen einige starke Schauer und im Moment, wo wir vor Muggia das Meer sehen, sind wir draußen. Wir melden uns bei Portoroz tower, die uns gleich, obwohl der Flugplatz schon seit 16:00 h geschlossen ist, eine Landung anbieten.
Wir lehnen dankend ab, wollen wir doch lediglich unseren Flugplan ändern, der uns über MONFA point nach Chioggia und Trento als Alternate vor dem Brenner heim bringen sollte. So weit müssen wir aber nicht ausholen.
Wir sehen nördlich die Alpengipfel in seltener Klarheit und beschließen, den Kurs des Hinflugs umzudrehen und über VICKY point an Monfalcone vorbei zum Plöckenpass zu fliegen.
Die Schaumkronen auf dem Wasser zeigen uns den Wind, den wir auf der Nase haben, aber mit 250 l Sprit kommt man auch bei Gegenwind weit.
Die Contoller scheinen nur zu warten, uns jede Höhe, jeden Kurs sofort zu bestätigen. Wir steigen auf  12.500 ft und haben unter uns beschneite Alpenlandschaft im Abendlicht mit einigen Wolkenfetzen in den Tälern. Zwischen Großvenediger und Großglockner können wir direkt auf L 1 vorrücken, wo Innsbruck Radar unsere Höhe auf IFR korrigiert  und uns einen Vollkreis fliegen lässt.
Die Wolkendecke unter uns hat sich zu „broken“ verdichtet, aber die Täler sind nach wie vor gut einsehbar. Unser Motor fühlt sich in der Höhe pudelwohl und liefert außergewöhnliche Speed. Bald nach dem Achenpass bringt uns der Münchner Informant wieder dem Boden näher, wir haben die Alpenregion verlassen und steuern geradewegs auf Stuttgart zu.
Hans packt sein professionellstes Englisch aus und so ist diesmal die Überquerung der Stuttgarter Kontrollzone  midfield kein Problem. Wenn wir schon so professionell unterwegs sind, muss es zum Abschluss auch noch ein LL-DME-approach sein, und um 21:30 h loc können wir dem Mannheimer Luftaufsichtsbeamten seinen Feierabend geben. Er hätte laut Flugplan erst am kommenden Tag mit uns gerechnet.

Da wir erst jetzt unsere sichere Ankunft melden können, haben wir genügend Zeit, die Maschine zu putzen und auszuräumen und werden erst bei unserem letzten Landungsbier von unseren Frauen begrüßt.

Die beiden anderen Maschinen hatten bei der Strecke des folgenden Tages weniger Glück. Bei schwierigem Wetter hatten sie über Graz, Linz, Eggenfelden mit Vereisung und schlechten Sichten zu kämpfen, sind dann aber doch nach einem dramatischen Flug glücklich in Mannheim gelandet.

Axel Schulz-Siepen
04.04.10

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